Assetklassen – welche Vermögenswerte gibt es?

Das Anlageuniversum besteht aus verschiedenen Anlageklassen (Assets), wie Aktien, Anleihen oder Immobilien. Jeder Anleger sollte die verschiedenen Anlageklassen in ihren unterschiedlichen Risiko-Rendite-Profilen kennen

Aktien? Anleihen? Gold? Oder vielleicht doch Kryptowährungen?
In welche Assetklasse (Vermögenswerte) ein Anleger investiert, sollte gut überlegt sein. Assetklassen sind die Bausteine aus denen wir unser Depot zusammensetzen. Jede Assetklasse unterscheiden sich in Rendite- und Risikowahrscheinlichkeiten. Gelingt es die Assets klug auszuwählen, können Schwankungen im Depot ausgleichen und mehr Rendite bei weniger Risiko erwirtschaftet werden.

Aber welche Assetklassen gibt es überhaupt, die für unser Portfolio in Frage kommen?
Die wichtigsten Anlageklassen sind:

  • Aktien
  • Anleihen (festverzinsliche Wertpapiere)
  • Geldmarkt (z. B. Tagesgeld)
  • Rohstoffe (z. B. Edelmetalle)
  • Immobilien (Immobilienaktien)
  • Alternative Investments
    • Sammlerstücke 
    • Private Equity, Hedgefonds
  • Humankapital

Aktien

Aktien sind verbriefte Eigentumsanteile an Unternehmen. Wer eine Aktie kauft, wird Miteigentümer des Unternehmens, auch an dessen Sachwerten wie Fabriken, Maschinen oder Immobilien. Aktien lohnen sich vor allem auf lange Sicht. Die langfristige durchschnittliche Renditeerwartung liegt bei 5-6% Prozent und ist damit die höchste unter allen Anlageklassen. Aktien haben aber auch ein höheres Risiko als andere Assets, z. B. Anleihen. > mehr

Tagesgeld  (Geldmarkt)

Unter die Assetklasse ‚Geldmarkt‘ oder ‚Cash‘ fallen zum Beispiel Tagesgeldkonten oder Festgeldkonten. Tages- oder Festgeld gilt, verglichene mit Aktien als weniger risikobehaftet und ist vor allem für die Liquidität wichtig, um unvorhergesehene Ausgaben bedienen zu können. Zum Beispiel wenn die Waschmaschine oder das Auto kaputt geht.  Zu bedenken ist bei Tages- oder Festgeld, dass die Ertragserwartung (Rendite) dieser Assetklasse nach Inflation, Steuern und Kosten in etwa bei null liegt. 1. Auch wenn Tagesgeld als relativ sicher gilt, eignet es sich für die Anlage von größeren Summen (>100.000 Euro) nicht, denn eine Bank kann pleite gehen und dann ist das Geld möglicherweise weg. (> siehe Einlagesicherung)

Einlagesicherung
Grundsätzlich gilt, geht eine Bank innerhalb der Europäischen Union (EU) pleite, sind Einlagen wie Guthaben auf dem Girokonto, Tages- und Festgeld bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich abgesichert.
Bankguthaben außerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung sind eine risikoreiche Anlage und unbedingt zu vermeidende 2
SPEZIALWISSEN Was müssen Anleger beachten, die bei mehreren Banken des gleichen Konzerns ein Konto haben? Beispielsweise gehört die  Postbank seit 2015 zur Deutschen Bank. Weil sie jedoch über eine eigene Banklizenz verfügt, schützt sie die Einlagen ihrer Kunden gesondert vom Mutterkonzern. „Ein Kunde, der bei der Postbank und bei der Deutschen Bank jeweils ein Konto mit einer Einlage von 100.000 Euro führt, genießt einen Einlagenschutz über 200.000 Euro“, heißt es von der Postbank. 3

Anleihen

Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere. Unternehmen oder Staaten geben diese Anleihen aus und beschaffen sich so Kapital. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Kredit. Der Anleger erhält regel­mäßig seine Zinsen und kann planen, wann und wie viel Geld er am Ende zurück­erhält. Risikofaktoren dieser Geldanlage sind die Bonität des Schuldners und die Laufzeit. Anleihen sollten immer in der Heimatwährung erworben werden, da sie sonst einem Währungsrisiko ausgesetzt sind.

Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität (z. B. Deutschland) kommen als lang­fristige Geld­anlage für den sicheren Teil des Depots infrage. Gerd Kommer empfiehlt Staatsanleihen in höchster Bonität mit kurzer Restlaufzeit (max. 36 Monate) in der Heimatwährung des Anlegers, also in Euro, zu erwerben. 1 Bundes­anleihen werden bei der Emission mit Laufzeiten von 10 oder 30 Jahre ausgegeben. Dabei gilt zu beachten, dass Bundesanleihen zwar als sehr sicher gelten, aber in der Regel nur niedrige Erträge abwerfen. Die Rendite für die aktuelle zehnjäh­rige Bundes­anleihe 19/29 (Isin DE 000 110 246 5) liegt derzeit mit  minus 0,39 Prozent pro Jahr (Stand: 3. Juli 2019) sogar deutlich im negativen Renditebereich 4. Dazu kommt noch der Wertverlust durch die Inflation, die im Juni 2019 bei 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahres­monat lag.

TABELLE | Vergleich unterschiedlicher Assetklassen in Bezug auf Mindestinvestitionsvolumen, Investitionshorizont und Risiko

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Rohstoffe

Typische Rohstoffe sind Gold, Silber, Öl, Holz oder Kaffee. Ob Rohstoffe als Beimischung sinnvoll sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Zum Beispiel hängen Energierohstoffe, wie Öl, stark von der weltweiten Konjunktur ab und Agrarrohstoffen sind Umwelteinflüsse, wie beispielsweise Dürreperioden ausgesetzt. Aus Risikogründen sollte man niemals auf einen Rohstoff allein setzen, sondern stets auf einen breit diversifizierten Rohstoffindex.

Gold gilt bei vielen Anlegern als absolut krisensicher. Aber Gold wirft keine Zinsen ab und der Goldkurs kann sehr stark schwanken.

Insgesamt wird empfohlen, dass der Anteil von Rohstoffen in einem Investmentportfolio nicht über 5 bis 10% liegen sollte. 1

Immobilien

Der Kauf einer Immobilie gehört zur beliebtesten Anlageform der Deutschen und viele betrachten die Investition ihres gesamten Vermögens in eine selbstgenutzte Wohnimmobilie als sichere Geldanlage.  Dabei wird häufig vergessen, dass dies ein erhebliches Klumpenrisiko birgt.

Außerdem zeigt Gerd Kommer anschaulich, dass es in den meisten Zeitfenstern rentabler war zu  Mieten als zu Kaufen. 1 In den 47 Jahren von 1970 bis 2016 brachten selbstgenutzte Wohnimmobilien in Deutschland 1,3% reale (inflationsbereinigte) Rendite pro Jahr während ein Mieter mit einem 70/30 Portfolio 2,9% Rendite machte. 5 Allerdings muss dabei beachtet werden, dass es sich hierbei um Mittelwerte handelt und dass die Immobilien-Renditen in manchen attraktiven deutschen Großstadtlagen deutlich darüber lagen.

Real Estate Investment Trusts (REITs)
Will man das Klumpenrisiko von Einzel-Immobilien reduzieren, kann man beispielsweise in REITs investieren. Real Estate Investment Trusts (kurz: REITs) sind eine Anlageform, die die Investition in Immobilien auf Basis von börsengehandelten Aktien ermöglicht. REITs sind Unternehmen, die ihre Erlöse überwiegend aus der Bewirtschaftung von Immobilien erzielen und für die spezielle strukturelle und steuerliche Bedingungen gelten. Ein REIT hat die Aufgabe Eigentum an in- und ausländischen Immobilien zu erwerben, zu halten, zu verwalten und zu veräußern. Man kann sich einen REIT wie einen börsengehandelten Fonds oder ETF vorstellen, mit dem Unterschied, dass ein REIT nicht in Aktien oder Anleihen investiert, sondern das Geld der Anleger für den Erwerb von Immobilien nutzt. REITS, die in einkommensproduzierende Immobilien investieren (sog. Equity-REITS), erwirtschafteten in den letzten Jahrzehnten in den USA eine durchschnittliche Rendite von 13 Prozent. 6

Sammlerstücke 

Oldtimer, Uhren, Rotweine oder Kunstwerke: Wer Spaß an besonderen Sammlerstücken hat, kann das in seiner Vermögensstruktur berücksichtigen. Doch das Risiko einer möglichen Wertentwicklung ist schwer zu kalkulieren und verlässliche historische Renditedaten gibt es kaum. Für den normalen Anleger gilt daher: Höchsten einen sehr kleinen Teil des Vermögens in Sammlerstücke investieren.

Hedgefonds und Private Equity

Als alternative Assetklassen gelten außerdem Hedgefonds und Private Equity. Sie stehen aber nur vermögenderen Investoren zur Verfügung.

Humankapital nicht vergessen

Humankapital ist der Gegenwartswert aller noch zu erwartenden Arbeitseinkünfte eines Menschen. Humankapitel wird oft in den Überlegungen zur Assetallokation völlig vergessen. Dabei ist nur das Humankapital, als einziges Investment, im Allgemeinen rentabler als Aktien 7 und sollte unbedingt als Asset mit in Ihre Überlegungen einfließen. Für die Mehrheit der Anleger unter 50 Jahren ist es die rentabelste Asset-Klasse von allen. 

Weitere Assetklassen

…von denen ich die Finger lasse

  • Peer-to-Peer Kredite
  • Kryptowährungen

Außerdem gibt es viele Finanzprodukte der Finanzindustrie, in die Sie nicht investieren sollten, z.B. geschlossene Immobilienfonds oder kapitalbildende Lebensversicherungen.
Lesen Sie hierzu das sehr hilfreiche Kapitel „Finanzprodukte, von denen man die Finger lassen sollte“ in Gerd Kommers Buch „Souverän Investieren8

Fazit

Der Mix macht’s. Die Diversifikation zwischen und innerhalb von Assetklassen ist die wichtigste Investmententscheidung, die sie treffen. Denn davon hängen Risiko und Rendite zentral ab. Lesen Sie hierzu die Beiträge „Assetallokation – Rendite, Risiko & Diversifikation“ und „Assetallokation – Beispiel-Portfolios“.

  1. Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag
  2. Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag, S. 273
  3. Wilke, F. (2016). Einlagensicherung. So funktioniert der Schutz für Sparer, Süddeutsche Zeitung GmbH. Abrufbar unter https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einlagensicherung-so-funktioniert-derschutz-
  4. Stiftung Warentest (2019). Bundes­wert­papier, Pfand­brief, Unter­nehmens­anleihe. Anleihen im Test. Verfügbar unter https://www.test.de/Bundeswertpapier-Pfandbrief-Unternehmensanleihe-Anleihen-im-Test-4440501-4455378/
  5. Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag, S. 216
  6. Vester, F. (2019). Passives Einkommen durch Immobilien: Wie Sie durch das Investieren in REITs vom Immobilienboom profitieren können und einen nachhaltigen Vermögensaufbau starten, Deggendorf: Cherry Finance, S. 50
  7. Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag, S. 376
  8. Kommer, G. (2018). Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen: Campus Verlag, S. 201 – 211

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